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Thomas Bernhard


 
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Merde Actually :: Gebrauchsanweisung für...  
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Kelle
DIGtator


Anmeldungsdatum: 07.02.2009
Beiträge: 1958

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BeitragVerfasst am: 09 Feb 2009 16:38    Titel: Thomas Bernhard Antworten mit Zitat

Thomas Bernhard hat folgendes geschrieben:
Ausdrücklich betone ich, dass ich mit dem österreichischen Staat nichts zu tun haben will und ich verwahre mich nicht nur gegen jede Einmischung, sondern auch gegen eine Annäherung des österreichischen Staates meine Person und meine Arbeit betreffend in aller Zukunft.

Zwei Tage vor seinem Tod.


Thomas Bernhard hat folgendes geschrieben:
In Österreich ist alles / immer am schlimmsten gewesen

Aus Heldenplatz.


Thomas Bernhard hat folgendes geschrieben:
Ich schreib' ja nicht für Depperte, denen man alles vorgeben muss.

Bernhard in einem Interview.


Nun ist er wieder in aller Munde, er, der nie müde wurde, Österreich zu kritisieren. (Erstaunlich in diesem Zusammenhang finde ich, dass seine entsprechenden Zitate auch anno 2009 problemlos passen, so traurig das ist.)
Was gibt es noch über ihn zu sagen?

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"I know, it just seemed like the kinda thing a mentally-deranged sex-starved pill-popping housewife would do." (Angels in America)
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yellow_submarine
DIGimon


Anmeldungsdatum: 10.02.2009
Beiträge: 767

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BeitragVerfasst am: 13 Feb 2009 4:18    Titel: Antworten mit Zitat

Habe im ORF im Montag-Abend-Kulturprogramm ein Best-Of seiner Fernsehinterviews gesehen. Ein interessanter Mensch, war mein Eindruck, der was zu sagen hatte, sein eigener Stil zu schreiben äußerte sich auch in seinen Interviews, sagt mir sehr zu dieser Stil. Ein schwieriger Mensch, war mein Eindruck, den die Leute nicht gerne mochten weil er "böse" über das schöne Österreich und seine (Ur)Bewohner schrieb. Beachtlich, dass er schon zu Lebzeiten im Ausland in den höchsten Tönen gelobt wurde während sich in Österreich wieder mal der Satz behauptete: Hier musst erst tot sein, um berühmt zu werden. Die Aktualität seiner Kritik ist wirklich alarmierend...
Was mir noch so einfällt: Das Unsichtbare zu beschreiben, darin sah er die Aufgabe der Literatur, das was man nicht sieht sei das Interessante, nicht das, was eh jeder kennt - das sollte auch eine Kritik an den Literaten sein, die jedes Blümlein auf der Wiese exakt beschreiben oder unnütze Details, das Sichtbare, das eh jeder kennt und über das kein Wort und keine Buchseite verschwendet werden sollte, das sei nicht nur langweilig sonder auch unökonomisch :D Und da passt auch das von dir gepostete Zitat hin: "Ich schreib ja nicht für Depperte, denen man alles vorgeben muss." Nebenbei: Er war ein Sauberkeitsfan und sah im Bügeln etwas Kunstvolles. Für mich wirkte es, als sei er auch ein einsamer Mensch gewesen. Ich möchte unbedingt was von ihm lesen (muss schnell in die Wiener Büchereien ;)
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Kelle
DIGtator


Anmeldungsdatum: 07.02.2009
Beiträge: 1958

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BeitragVerfasst am: 13 Feb 2009 14:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe damals mit der Auslöschung angefangen (Büchereien Wink) und blieb irgendwo hängen, wo Berhard über zahlreiche Seiten irgendwas so detailliert beschrieb, bis man echt nicht mehr konnte. Dennoch hätte ich Lust, es zu Ende zu lesen. Augenscheinlich hat er in vielen Büchern eine solche Angewohnheit.
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sandmann03
DIGtator


Anmeldungsdatum: 07.02.2009
Beiträge: 447

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BeitragVerfasst am: 13 Feb 2009 21:23    Titel: Antworten mit Zitat

Auf Empfehlung von Marönchen hab ich "Der Keller" von ihm gelesen wo er von seiner Lehrzeit in der Scherzhauserfeldsiedlung, "dem Schandfleck von Salzburg" spricht.

Hängen geblieben in meinem Hirn sind vor allem folgenden Phrasen:

"in die entgegengesetzte Richtung", das "alles egal ist", und das man nicht aufhören darf den Menschen die Wahrheit ins Gesicht zu schleudern.

Er war ein scharfsinniger Beobachter der Gesellschaft und nahm sich kein Blatt vor dem Mund wenn es darum ging, ihr einen Spiegel vor zuhalten.

Überdies wird in diesem Buch sehr deutlich was er von Salzburg gehalten hat, ich zitiere:

„Hier (in der Scherzhauserfeldsiedlung) wurden die Menschen nicht, wie in der Stadt, fortwährend und tagtäglich raffinierter in eine künstliche Form gepresst...Man musste nicht Gefahr laufen, wegen Eigensinns attackiert zu sein, die Persönlichkeit war plötzlich nicht mehr von den Regeln des bürgerlichen Gesellschaftsapparates, der ein menschenverherrender Apparat ist, niedergemacht und zermalmt, fortwährend wird in den Städten von dieser schauerlichen Stupiditätsgröße wie Salzburg an den Menschen herumgezupft und herumgeschüttelt, und auf ihnen wird ununterbrochen herumgehämmert und zurechtgefeilt und so lange herumgehämmert und zurechtgefeilt, bis von dem Menschen nichts mehr übriggeblieben ist als ein widerwärtiger und geschmacksloser Kunstgewerbemensch.“

Tja, dem ist nichts mehr hinzuzufügen...

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natürlicher Widerstand !
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Kelle
DIGtator


Anmeldungsdatum: 07.02.2009
Beiträge: 1958

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BeitragVerfasst am: 13 Feb 2009 21:43    Titel: Antworten mit Zitat

sandmann03 hat folgendes geschrieben:
[...]wird in den Städten von dieser schauerlichen Stupiditätsgröße wie Salzburg[...]
Mr. Green
Im Buch Auslöschung beschreibt er Wolfsegg so ähnlich, fast schon unheimlich detailliert. Beängstigend, wie beschränkt er die Menschen dort hält. Und überaus wahr...

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Kelle
DIGtator


Anmeldungsdatum: 07.02.2009
Beiträge: 1958

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BeitragVerfasst am: 13 Mai 2009 22:51    Titel: Antworten mit Zitat

Mir ist aufgefallen, dass eines der besten Bernhard-Zitate in diesem Thread fehlt!
Zitat:
Die Mentalität der Österreicher ist wie ein Punschkrapfen: Außen rot, innen braun und immer ein bißchen betrunken.

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yellow_submarine
DIGimon


Anmeldungsdatum: 10.02.2009
Beiträge: 767

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BeitragVerfasst am: 13 Mai 2009 22:56    Titel: Antworten mit Zitat

:P Genial

Möchte nochmal das unterstreichen, was du am Anfang des Threads geschrieben hast: "Erstaunlich in diesem Zusammenhang finde ich, dass seine entsprechenden Zitate auch anno 2009 problemlos passen, so traurig das ist."
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jutz
Referent


Anmeldungsdatum: 18.03.2009
Beiträge: 434
Wohnort: in einem Fass auf drei Bergen

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BeitragVerfasst am: 13 Mai 2009 23:18    Titel: Antworten mit Zitat

Meine Verneigung vor Thomas Bernhard!

Er hat den Nagel auf den Kopf getroffen.

Ja, man kann leider viel zu viele Zitate noch immer zitieren, die Gesellschaft ändert sich leider nur sehr, sehr langsam Exclamation
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yellow_submarine
DIGimon


Anmeldungsdatum: 10.02.2009
Beiträge: 767

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BeitragVerfasst am: 13 Mai 2009 23:40    Titel: Antworten mit Zitat

Das kommt aber auch darauf an, in welchen Dimensionen man denkt. Natürlich ist man ungeduldig und sehnt einen sichtbaren Wandel herbei. Um aber nicht ganz zu verzweifeln muss man wohl oder übel ein weiteres Zeitspektrum als Maßstab heranziehen :?
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yellow_submarine
DIGimon


Anmeldungsdatum: 10.02.2009
Beiträge: 767

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BeitragVerfasst am: 08 Jun 2009 10:45    Titel: Antworten mit Zitat

Im Wiener Stadtpark wird nun ein Steg umbenannt in den "Thomas-Bernhard-Steg. Diese Würdigung tät ihn sicher "freuen", da hat er wenigstens was zu Lachen im Jenseits ;)
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